Dann ist alles vorbei.
Ich kannte ihn. Irgendwie.
Nicht wie man einen Arbeitskollegen oder den Mann am Kiosk, wo man täglich seine Zeitung kauft, kennt. Auch nicht wie einen entfernten Verwandten. Aber er war mir vertraut, hatte ich ihn doch immer wenn ich abends auf dem Balkon saß, und mit Freundin oder Freunden ein Glas Wein trank und den Sommer genoss in seiner Wohnung gesehen. Er renovierte, er war im Spätfrühjahr glaube ich in die Wohnung im dritten Stock eingezogen, gegenüber im Nachbarshaus, das den Innenhof mit meinem eigenen Wohnhaus umschloss. Seine Leiter und die Wandfarbe stehen immer noch auf dem Balkon. Durch die Balkontür konnte ich abends erkennen wie er ein Hochbett baute, und ich dachte wenn man in meinem Alter ist (zumindest vermute ich dass er mein Alter hat) sollte man mit Hochbetten irgendwie durch sein, wie mit Yuccapalmen oder Comicsammeln.
Manchmal hatte er Besuch, und dann rauchte er auf dem Balkon eine Zigarette, vielleicht mochte sein Freund den Rauch nicht. Es gab keinen anderen Grund auf dem Balkon zu rauchen wenn man alleine wohnt, hatte ich mir noch überlegt.
Und so lernte ich ihn kennen. Keinen Namen. Keine Ahnung was er beruflich machte, ob er den Jugendschwimmer mal gemacht hatte, ob er schwul war oder nicht. Ob er eine zweitsprache konnte oder eine Krankheit hatte. Fuhr er Auto, Fahhrad oder mit dem Bus? Es gab keine Anhaltspunkte zu seinem Leben, ausser den Blick hoch von meinem Balkon zu seinem.
Und dann blickte ich am Sonntagmorgen aus dem Fenster meiner Küche, sah seine offene Balkontür, blickte durch den Innenhof und sah jemanden im Giersch liegen. Ich blickte wieder zu seinem Balkon und erkannte dann dass er es war, der da unten lag.
Ich schrie auf, Frau Onkel kam ans Fenster, sah ihn auch. Ich rannte zur Garderobe um mir Schuhe anzuziehen, Sie rief die Feuerwehr und ich stürzte die Treppen hinunter in den Innenhof der eigentlich doch ein Garten sein könnte, wenn die Häuser die drum herum stehen nicht die Sonne solange verdecken würden.
Ich konnte mir den Gedanken nicht aus dem Kopf fegen, dass er nicht viel Vetrauen zu mir haben würde, stand ich doch da in meiner Schlafhose und braunen Halbschuhen die eher zum Anzug passen.
Als ich mich zu ihm hinunterbeugte wusste ich, das wird ihm egal sein. Am Ohr war Blut das aus seinem Kopf zu kommen schien. Er konnte seine Beine nicht bewegen und nicht sprechen. Er zitterte. Er trug nur T-Shirt und Unterhose.
Es wird gleich besser, die Feuerwehr ist unterwegs. Der Notarzt. Können Sie mich hören.
Er stöhnte. Frau Onkel brachte unsere rote Wolldecke und ich deckte seine nackten Beine zu.
Nach gefühlten zwei Stunden war dann die Feuerwehr da, kam in den Hof, legte Kanülen und Infusionen und ich stand da und drückte irgendeine Lösung in seine Halsschlagader. Vielleicht macht man dass so bei der Feuerwehr, Zeugen einbeziehen damit sie nicht dumm rumstehen und einen Schock kriegen.
Auf dem Balkon unter ihm kam eine Frau und sagte zu uns sie habe gegen 3:30 oder so etwas Dumpfes gehört, konnte aber in der Dunkelheit und wegen ihrer eigenen schlafverursachten Wahrnehmungsschwäche nichts erkennen durch das Fenster.
Er lag also schon seit 6 Stunden so da. Alleine.
Die Notärzte gingen mit ihm aus dem Garten und fuhren davon. Die Polizei nahm meine Personalien auf und dann war alles vorbei.
Ich kannte ihn gar nicht. Irgendwie.
Nicht wie man einen Arbeitskollegen oder den Mann am Kiosk, wo man täglich seine Zeitung kauft, kennt. Auch nicht wie einen entfernten Verwandten. Aber er war mir vertraut, hatte ich ihn doch immer wenn ich abends auf dem Balkon saß, und mit Freundin oder Freunden ein Glas Wein trank und den Sommer genoss in seiner Wohnung gesehen. Er renovierte, er war im Spätfrühjahr glaube ich in die Wohnung im dritten Stock eingezogen, gegenüber im Nachbarshaus, das den Innenhof mit meinem eigenen Wohnhaus umschloss. Seine Leiter und die Wandfarbe stehen immer noch auf dem Balkon. Durch die Balkontür konnte ich abends erkennen wie er ein Hochbett baute, und ich dachte wenn man in meinem Alter ist (zumindest vermute ich dass er mein Alter hat) sollte man mit Hochbetten irgendwie durch sein, wie mit Yuccapalmen oder Comicsammeln.
Manchmal hatte er Besuch, und dann rauchte er auf dem Balkon eine Zigarette, vielleicht mochte sein Freund den Rauch nicht. Es gab keinen anderen Grund auf dem Balkon zu rauchen wenn man alleine wohnt, hatte ich mir noch überlegt.
Und so lernte ich ihn kennen. Keinen Namen. Keine Ahnung was er beruflich machte, ob er den Jugendschwimmer mal gemacht hatte, ob er schwul war oder nicht. Ob er eine zweitsprache konnte oder eine Krankheit hatte. Fuhr er Auto, Fahhrad oder mit dem Bus? Es gab keine Anhaltspunkte zu seinem Leben, ausser den Blick hoch von meinem Balkon zu seinem.
Und dann blickte ich am Sonntagmorgen aus dem Fenster meiner Küche, sah seine offene Balkontür, blickte durch den Innenhof und sah jemanden im Giersch liegen. Ich blickte wieder zu seinem Balkon und erkannte dann dass er es war, der da unten lag.
Ich schrie auf, Frau Onkel kam ans Fenster, sah ihn auch. Ich rannte zur Garderobe um mir Schuhe anzuziehen, Sie rief die Feuerwehr und ich stürzte die Treppen hinunter in den Innenhof der eigentlich doch ein Garten sein könnte, wenn die Häuser die drum herum stehen nicht die Sonne solange verdecken würden.
Ich konnte mir den Gedanken nicht aus dem Kopf fegen, dass er nicht viel Vetrauen zu mir haben würde, stand ich doch da in meiner Schlafhose und braunen Halbschuhen die eher zum Anzug passen.
Als ich mich zu ihm hinunterbeugte wusste ich, das wird ihm egal sein. Am Ohr war Blut das aus seinem Kopf zu kommen schien. Er konnte seine Beine nicht bewegen und nicht sprechen. Er zitterte. Er trug nur T-Shirt und Unterhose.
Es wird gleich besser, die Feuerwehr ist unterwegs. Der Notarzt. Können Sie mich hören.
Er stöhnte. Frau Onkel brachte unsere rote Wolldecke und ich deckte seine nackten Beine zu.
Nach gefühlten zwei Stunden war dann die Feuerwehr da, kam in den Hof, legte Kanülen und Infusionen und ich stand da und drückte irgendeine Lösung in seine Halsschlagader. Vielleicht macht man dass so bei der Feuerwehr, Zeugen einbeziehen damit sie nicht dumm rumstehen und einen Schock kriegen.
Auf dem Balkon unter ihm kam eine Frau und sagte zu uns sie habe gegen 3:30 oder so etwas Dumpfes gehört, konnte aber in der Dunkelheit und wegen ihrer eigenen schlafverursachten Wahrnehmungsschwäche nichts erkennen durch das Fenster.
Er lag also schon seit 6 Stunden so da. Alleine.
Die Notärzte gingen mit ihm aus dem Garten und fuhren davon. Die Polizei nahm meine Personalien auf und dann war alles vorbei.
Ich kannte ihn gar nicht. Irgendwie.
andropovs onkel - 24. Okt, 13:01